Wer sonntags morgens zum Fischmarkt in Hamburg-Altona kommt, ist entweder schon wach oder noch wach.
Bis zu 70.000 Besucher treffen sich in den Sommermonaten hier regelmäßig zum Kaufen und Verkaufen, im Winter immerhin noch 5.000 bis 10.000.
Der Verkauf findet von 5:00 bis 9:30 Uhr, vom 1. November bis 31. März ab 7:00 Uhr statt. Verkaufsstände unter freiem Himmel auf dem östlichen Ende der Großen Elbstraße in Altona locken die Besucher. Neben der wirtschaftlichen Funktion des Handels hat der Markt aber auch wegen seiner sozialen Funktion als Treffpunkt der Hamburger und natürlich vieler Besucher eine hohe Bedeutung für Hamburg, denn nicht wenige Touristen kommen auch wegen der skurrilen Marktschreier in die Stadt. Laut schreiende Verkäufer mit teils komödiantischen Einlagen haben einen hohen Unterhaltungswert für Touristen, wer möchte nicht einmal ein Stück Fisch zum Probieren zugeworfen bekommen?
Es gibt natürlich nicht nur Fisch: Auch Obst, Wurstwaren, Geschirr, Grünpflanzen und Textilien wechseln hier den Besitzer. Team Noch-Wach trudelt hier nach einem Besuch im Nachtleben auf der Reeperbahn ein, um nach durchzechter Nacht die Verdauungsorgane mit Matjesbrötchen oder Bismarckheringen zu besänftigen, während Team Schon-Wach, also Frühaufsteher, hier einkauft oder zum Frühschoppen mit Jazz, Western- oder Countrymusik in den Sonntag startet.
Der Fischmarkt blickt zurück auf eine lange Tradition, denn schon seit dem 16. Jahrhundert siedelten sich vor den Toren Hamburgs Fischer und Handwerker an. Ab 1703 gab es die Erlaubnis, auch sonntags vor dem Kirchgang Handel zu treiben, um die Bürger auch an Sonntagen mit frischem Fisch zu versorgen, da es noch keine Möglichkeiten der längeren Einlagerung von Frischfisch gab.
Zeitweise hatte sich hier auch die Industrie für Fischkonserven niedergelassen, sodass hier der größte Umschlag an Seefischen und Fischkonserven stattfand, um auch die inneren Landesteile Deutschlands mit Fisch zu versorgen.
Im Stil einer dreischiffigen Basilika gebaut, eröffnete 1896 die Fischauktionshalle. Trotz der Konkurrenz durch die inzwischen entwickelten großen Fischdampfer, sodass die Auktionen nötig waren, um das Drücken der Preise zu verhindern. Ab den 1930er Jahren hatten die technischen Entwicklungen die Auktionshalle aber überholt. Weiter westlich entstanden moderne Kühlhallen und Fischverarbeitungsbetriebe, der fangfrische Fisch wird heutzutage auf virtuellem Weg versteigert.
Über die Jahrhunderte wechselte immer wieder die Bebauung des Marktgeländers. Die meisten Gebäude rund um den Fischmarkt sind im Geschehen des II. Weltkriegs 1943 durch Fliegerbomben zerstört worden, der Wiederaufbau begann in den 1970ern durch die Stadt Hamburg, umgesetzt durch den Bauverein der Elbgemeinden und den Altonaer Spar- und Bauverein im Zeitraum 1988 bis 1992.
Von 1742 bis 1864 hatte ein barocker Fischmarktbrunnen hier gestanden, im Rahmen des Wiederaufbaus wurde für dessen beschädigte Minervastatue 1989 vom Bildhauer Hans Kock eine Ersatzfigur geschaffen. Neben dem Fischmarkt steht mit stilwerk ein Backsteinbau, der zurzeit ein Ladenzentrum für Möbel- und Einrichtungsdesign beherbergt, nachdem die Mälzerei aus dem 19. Jahrhundert ihre Tore geschlossen hatte.
Nach dem Ende eines Markttages rückt die Stadtreinigung an, sammelt mit Spezialfahrzeugen die Abfälle ein, bevor Kehrmaschinen den Platz säubern. Verspätete Besucher, die in den Abfällen noch Verzehr- oder Brauchbares finden, dürfen dies – in haushaltsüblichen Mengen – mitnehmen, solange sie nicht den Reinigungskräften im Weg sind.