Im Hamburger Hafen befindet sich im Gebiet zwischen Baumwall und Oberhafen mit der Speicherstadt der größte historische Lagerhauskomplex der Welt. Erbaut wurde sie auf den ehemaligen Elbinseln und Wohnquartieren Kehrwieder und Wandrahm im Zeitraum zwischen 1883 und 1927.
Unter der Leitung des Oberingenieurs der Hamburger Baureputation Franz Andreas Meyer, Wasserbaudirektor Christian Nehla und dem Baudirektor Johann Christian Zimmermann waren 15 Ingenieure, 24 Architekten und Bauzeichner mit der Aufgabe der Planung und Umsetzung betraut. Allein der Architekt Georg Thielen hat ca. 30 der Speicher entworfen.
2003 wurde die Speicherstadt aus dem Gebiet des Freihafens herausgenommen, der 2013 aufgelöst wurde, sie wurde 2008 verwaltungsrechtlich dem Neubaugebiet auf dem Großen Grasbrook im Bezirk Hamburg-Mitte zugeordnet und zum Stadtteil Hafen-City erklärt.
Überflüssig geworden war der Freihafen durch die Zunahme des Container-Schiffsverkehrs und automatisierte Lagerverwaltungssysteme für die Erfassung unverzollter Ware. Deshalb gehört seit 2004 das Gebiet der Speicherstadt – von den Teppichlagern abgesehen – zollrechtlich zum Inland, 2013 wurde die Zollgrenze endgültig abgeschafft und machte den Weg frei für das Projekt HafenCity, das auch die historische Speicherstadt umfasst.
Die Speicherstadt liegt auf einem Gebiet von insgesamt 26 Hektar, durchzogen von Fleeten, also natürlichen Wasserverläufen in den Elbmarschen.
Im Juli 2015 wurden die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus vom UNESCO-Weltkulturerbekomitee in Bonn auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Die Speicher genannten Lagerhäuser wurden in neugotischer Backsteinarchitektur auf tausenden Eichenpfählen gebaut. Die Waren – Tee, Kaffee, Gewürze – konnten jeweils auf der dem Wasser zugewandten Seite in die Speicher gebracht werden und zur anderen Seite Richtung Straße zum Weitertransport wieder hinaus. Durch die relativ gleichmäßigen Klimabedingungen in den Speichern waren die Lagerbedingungen für die Produkte sehr gut, in den unteren Teilen war aber keine längere Lagerung möglich, da bei einer Sturmflut Wasser hätte eindringen können.
Sogenannte Quartiersleute übernehmen die Lagerung und Weiterverarbeitung für Importeure von Waren, Sie sind spezialisiert auf bestimmte Güter, verkosteten Tee oder Kaffee und überwachten die Qualität der Produkte, sitzen mit ihren Betrieben aber heutzutage in der Nähe der Containerterminals.
Auf ca. 630.000 Quadratmeter bietet die Speicherstadt heute zahlreiche Attraktionen für Besucher und Touristen. Viele Teppichhändler und Agenturen, das Speicherstadtmuseum, das Gewürzmuseum und das Zollmuseum und das Hamburg Dungeon, in dem Schauspieler seit dem Jahr 2000 eine Mischung aus Gruselkabinett, Show und Geschichtsstunde präsentieren und Fahrgeschäfte den Besuchern auch Action bieten.
Ebenfalls seit 2000 befindet sich hier auch die größte Modelleisenbahnanlage der Welt, das Miniatur-Wunderland.
Den Verlag und die Redaktion der Zeitschrift Mare findet man in der Speicherstadt, ebenso wie die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA), die 2006 hier einzog.
Weitere Attraktionen und Sehenswürdigkeiten:
HafenCity InfoCenter, Hamburgisches Architekturarchiv, Deutsches Zollmuseum, Fleetschlösschen (Café und Kneipe in einer ehemaligen Kaffeeklappe), Dialog im Dunkeln, Wasserschloss Speicherstadt, ein Kontor mit angeschlossener Gastronomie rund um den Tee , Speicherstadtmuseum, Museum zur Geschichte der Speicherstadt mit Veranstaltungen Kehrwieder-Theater (Varieté-Programme), Speicherstadt Kaffeerösterei (Erlebnisrösterei mit Café)
Die Speicherstadt ist vom Hamburger Hauptbahnhof mit der U-Bahn gut erreichbar. Von der Wasserseite her kann man sie mit Barkassen während Hafenrundfahrten umfahren. In den flachen Fleeten und wegen der niedrigen Brücken verkehren hier keine größeren Schiffe.